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Holzgerlingen Anno 1634 Von den Leiden der Pfarrfamilie im Dreißigjährigen KriegQuelle: "Aus Schönbuch und Gäu. Beilage des Böblinger Boten" Nr. 41/1952 | ||||||
Wer die Jahreszahl 1634 liest, vor dem werden die Schrecken lebendig, die Schwaben in den Monaten nach der Schlacht bei Nördlingen durch kaiserliche Truppen ertragen musste. Darmsheim wurde ausgeraubt, Döffingen angezündet; im Pfarrsprengel von Weil im Schönbuch starben 16 Personen. Auch den Städten ging es nicht besser. Sindelfingen wurde ausgeraubt und Böblingen vom 8. bis 12. September geplündert. Kroatische Reiter nahmen den Dekan Gmelin gefangen, um von ihm Geld zu erpressen. Sie trieben ihn bis nach Feuerbach, wo ein Stuttgarter Geistlicher seinen Amtsbruder mit 300 Gulden aus der Gefangenschaft löste. Noch unter dem Eindruck dieses Erlebnisses berichtete Gmelin am 2. Oktober 1634 an den Kirchenrat des Herzogtums nach Stuttgart über eine weitere Schreckenskunde:
"Dienstags, den 9. September, sind die Feind in Holzgerlingen eingefallen, und haben alsbald den Pfarrer gefangen, an ein Roß gebunden, durch die Gaßen und ins Feld hinausgeschlaift, jämmerlich geschlagen, und ihr sonder Lustspihl an dem guten alten Mann gehabt und verübt, indem sie ihn auf den Kopf gestürzt, seine beede Füße von einander gesperrt, über und durch ihn geritten. Nachdem sie ihn lang genug jämmerlich und erbärmlich gemartert, haben sie ihn auf dem freyen Feld, ohne Zweifel, als ihres vermeynens ganz todten Mann liegen laßen. Er ist aber folgends von 2 Holzgerlinger Weibern biß in den Flecken, und folgends von 2 Gerichts Personen ins Pfarrhaus getragen, und da verbunden worden, wieder zu seinem Verstand und Rede gekommen, und erst Mittwoch , Nachts um 10 Uhr, den 10. Sept., gar gedultig und seelig verschieden. Seine Hausfrau haben sie 4 Tag nach einander zu etlich unterschiedlich malen gefangen, übel tractirt, ranzioniert1*; und weil sie sich verschnappt, oder vielleicht Gnad zu erlangen gesagt, sie haben schon ihren Herrn umgebracht, als sie, als eine gute arme Pfarrerin, nicht Geldt hergeben könnte, haben sie selbige endlich am Freytag jämmerlich mit Stichen und Zerhackung ihres Kopfs ermordet, da sie beede am folgenden Samstag, den 13. Sept., in ein Grab, doch sine cerimoniis2* sind begraben worden.
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Der Text wurde gekürzt Mit freundlicher Genehmigung des Heimatgeschichtsvereins für Schönbuch und Gäu e.V. Diese Seite drucken |
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